Geschichte

„Historiai“ – heute übersetzt mit „Geschichten“ – nannte im 5. Jahrhundert vor Christus Herodot von Halikarnassos sein Werk über die Auseinandersetzung zwischen Griechen und Persern, die erste grosse Darstellung europäischer Geschichte überhaupt. Um eine bunte Vielfalt von Geschichten aus allen Epochen der Menschheit, allen Teilen der Welt und allen Bereichen des Lebens geht es auch im Geschichtsunterricht am MNG – tragische Geschichten von Einzelschicksalen, dramatische von politischen und sozialen Auseinandersetzungen, spannende von wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen, faszinierende von Begegnungen zwischen fremden Kulturen.

Schon Herodot ging es nicht nur um Erinnerungsbildung und gute Stories. Die heute gängige Übersetzung von „Historiai“ mit „Geschichten“ verschleiert den ursprünglichen Sinn des Begriffs, der eigentlich „kritisches Erkunden“ meinte. Auch im Geschichtsunterricht wollen wir die überlieferten Geschichten über ihren vordergründigen Inhalt hinaus erkunden. Mit den Methoden des Kriminalisten versuchen wir durch Studium und Vergleich der zur Verfügung stehenden Informationen aus Texten, Bild- und Tondokumenten, Karten und Statistiken nicht nur den Wahrheitsgehalt der Geschichten zu ergründen, sondern etwa auch zu erfahren, aus welchen Beweggründen sie entstanden sind, welche Bedeutung sie für das Publikum ihrer Entstehungszeit hatten und wie sich der Blick auf sie im Lauf der Zeit verändert hat.   

Tagtäglich sind wir als Individuen und als Gemeinschaft selbst in Geschichten verstrickt, in denen wir uns bewähren und die wir deuten müssen. Die kritische Auseinandersetzung mit fremden Geschichten ermöglicht uns, unsere eigenen Geschichten besser ergründen und verstehen zu lernen, zu sehen, wo wir gegenwärtig stehen und welche Bedeutung unsere persönlichen und gemeinschaftlichen Erinnerungen als Grundlage für unser Leben haben. In diesem Sinne wollen wir im Geschichtsunterricht am MNG durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit Mittel und Wissen zur besseren Orientierung in einer immer komplexeren, kurzlebigeren Gegenwart vermitteln und die Bildung individueller und kollektiver Identität für das erfolgreiche Bestehen in der Zukunft fördern.