Geschichte

GRUNDLAGENFACH/ERGÄNZUNGSFACH

1. Bildungsziele

Beschäftigung mit Geschichte bedeutet Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, immer aber auch mit der eigenen Gegenwart, mit dem Menschen als Gemeinschafts- und Einzelwesen sowie mit der Bedingtheit menschlichen Lebens durch Zeit und Raum. Die Schülerinnen und Schüler sollen dazu angeregt werden, den wirtschaftli­chen, politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen in Vergangenheit und Ge­genwart nachzuspüren. Aus ihren Beobachtungen sollen sie eine Vorstellung von den möglichen und tatsächlichen historischen Zusammenhängen gewinnen, die geschichtliche Verwurzelung unserer geistigen und materiellen Welt erkennen, Komple­xität, Möglichkeiten und Grenzen gesamtgesellschaftlicher und individueller Handlungsspielräume besser abschätzen lernen sowie ein Bewusstsein für die Verantwor­tung entwickeln, die wir als Individuen, im Beruf und als Staatsbürger oder Staatsbürgerin gegenüber uns selbst, unseren Nächsten und der Gemeinschaft besitzen. Dementsprechend kommt dem Geschichtsunterricht im Rahmen des gymnasialen Fächerkanons eine integrative Funktion zu.

2. Richtziele

Grundhaltungen

Durch die Konfrontation mit Kultur- und Lebensformen, die uns durch ihre räumliche oder zeitliche Ferne fremd sind, soll den Schülerinnen und Schülern die Vielfalt menschlicher Daseinsformen gezeigt werden, damit sie Wesen und Mythen der eige­nen Zeit besser erfassen und kritisch betrachten können sowie Verständnis und Wertschätzung für andere Kulturen entwickeln.

Grundfähigkeiten

Der Geschichtsunterricht leistet sowohl einen Beitrag zur intellektuel­len Schulung der Jugendlichen als auch zu ihrer Erziehung zu kritischen Staatsbür­gern und Staatsbürgerinnen, die in einem pluralistischen, demokratischen Staatswesen ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen können.

Die Auseinandersetzung mit Geschichte verlangt und fördert die Fähigkeit, Quellen aufzuspüren, den Informationsgehalt verschiedenster Überlieferungsformen zu erkennen, Informationen kritisch aufzuar­beiten und sich ein eigenes Urteil zu bilden, das überzeugend formuliert und vertreten werden kann.

Grundkenntnisse

Die Auseinandersetzung mit Geschichte verlangt und fördert ein historisches Orientierungswissen.

3. Grobziele

GRUNDLAGENFACH

Ziele 1. Klasse

Um Entwicklung und Wandel der europäischen bzw. westlichen Zivilisation sichtbar zu machen, ist der Lehrgang im Grundsatz chronologisch aufgebaut und umfasst den Zeitraum zwischen dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Einzelne Aspekte der früheren Epochen werden in Form von Rückblicken an thematisch geeigneter Stelle behandelt. Wo dies sinnvoll erscheint, kann der chronologische Rahmen durchbro­chen werden, um die Entwicklung eines Phänomens oder die Geschichte eines Lan­des (z. B. der Schweiz) über längere Zeit (auch vorausblickend) zu verfolgen, historische Vergleiche an­zustellen, Bezüge zur Gegenwart zu schaffen und auch um die Geschichte ausse­reuropäischer Kulturen gebührend zu würdigen.

Inhalte 1. Klasse

Einführung in die Geschichte

  • Fragestellungen und Methoden der Geschichtswissenschaft
  • Übersicht über die Epochen der europäischen Geschichte

Als Voraussetzung für das Verständnis der europäischen Geschichte werden folgende Themen der antiken und mittelalterlichen Geschichte behandelt:

  • Hellenisierung und Romanisierung der Mittelmeerwelt
  • Ursprünge und Entwicklung des Christentums und der christlichen Kirche
  • Zerfall der kulturellen und politischen Einheit des Mittelmeerraums im Gefolge von Völkerwanderung und islamischer Expansion
  • Ursprünge und Entwicklung des Islams und der islamischen Welt
  • Funktionieren der Feudalgesellschaft

Spätmittelalter unter Berücksichtigung der Ursprünge kapitalistischer Wirtschafts­formen in der mittelalterlichen Stadt und der Anfänge des Territorialstaats

Renaissance unter Einschluss kunstgeschichtlicher Aspekte

Voraussetzungen, Verlauf und Folgen der Entdeckungen. Kolonialismus

Reformation und Gegenreformation ausgehend von der Situation der spätmittelalterli­chen Kirche

Zeitalter des Absolutismus

Ziele 3. und 4. Klasse

Um Entwicklung und Wandel der europäischen bzw. westlichen Zivilisation sichtbar zu machen, ist der Lehrgang im Grundsatz chronologisch aufgebaut und umfasst den Zeitraum zwischen der Aufklärung und der Gegenwart. Wo dies sinnvoll erscheint, kann der chronologische Rahmen durchbro­chen werden, um die Entwicklung eines Phänomens oder die Geschichte eines Lan­des (z. B. der Schweiz) über längere Zeit (auch vorausblickend) zu verfolgen, historische Vergleiche an­zustellen, Bezüge zur Gegenwart zu schaffen und auch um die Geschichte ausse­reuropäischer Kulturen gebührend zu würdigen.

Inhalte 3. und 4. Klasse: Geschichte

Zweitägige Exkursion mit kulturgeschichtlichem Schwerpunkt

Zeitalter der Aufklärung unter Berücksichtigung der Entwicklung der Regierungssy­steme auf dem europäischen Kontinent (aufgeklärter Absolutismus), in England (parlamentarische Monarchie) und den USA (republikanischer Verfassungsstaat)

Französische Revolution, napoleonische Ära und Wiener Kongress

Industrialisierung und Soziale Frage

Die wichtigsten politischen Strömungen des 19. Jh., d.h.: Konservatismus, Libera­lismus, Nationalismus, Sozialismus (mit Marxismus)

Die Entstehung neuer Nationalstaaten in Europa

Voraussetzungen, Verlauf und Folgen des Imperialismus

Ursachen und Konsequenzen des Ersten Weltkriegs

Die russische Revolution und die Entwicklung Russlands vom Zarenreich zur GUS. Weltwirtschaftskrise. Die Entwicklung faschistischer Diktaturen im westlichen Eu­ropa

Hintergründe und Folgen des Zweiten Weltkriegs

Die Einrichtungen der Pax americana. Europäische Spaltung und Formierung der Machtblöcke in Europa. Europäische Integration. Internationale Politik zwischen Kon­frontation und Entspannung. Krisen und Untergang des Ostblocks. Die Dekolonisation und ihre Begleitkonflikte. Entwicklung und Unterentwicklung

Trends und Konflikte der Gegenwart

Inhalte 3. und 4. Klasse: Staatskunde

Staatskundliche Fragen werden während des gesamten Geschichtsunterrichts ange­sprochen. Im Staatskundekurs sollen insbesondere Kenntnis und Bewusstsein der hi­storischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und institutionellen Grundlagen des modernen schweizerischen Bundesstaats vermittelt werden. Anhand aktueller Beispiele können Schülerinnen und Schüler Einblick erhalten in politische Entscheidungsprozesse und sensibilisiert werden für die zentralen innen- und aus­senpolitischen Fragen der Gegenwart und der Zukunft.

Als Ergänzung zum Staatskundekurs besteht die Möglichkeit, klassenübergreifende staatsbürgerliche Tage zu gesellschaftlichen und politischen Fragen durchzuführen. Um Vielschichtigkeit, kontroverse Beurteilung und praktisches Funktionieren gesell­schaftlicher und politischer Prozesse deutlich werden zu lassen, können im Rahmen der staatsbürgerlichen Tage Kollegen anderer Fachbereiche, auswärtige Fachleute sowie Institutionen und Exponenten des öffentlichen Lebens beigezogen werden.

ERGÄNZUNGSFACH

Ziele 4. Klasse

Im Ergänzungsfach erhalten historisch besonders interessierte Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, ihre Sachkenntnis und ihr methodisches Können weiter zu ent­wickeln. Mehr noch als im Grundlagenunterricht wird deshalb Wert gelegt auf selb­ständige Schülerarbeit. Während eines Teils der zur Verfügung stehenden Zeit arbeiten die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen an eigenen Projekten (Literatur- oder Feldarbeit), de­ren Gegenstand im Zusammenhang mit den im Ergänzungsfach behandelten Themen steht.

Inhalte 4. Klasse

Im Rahmen des Ergänzungsfachs werden Themen aus folgenden vier Grossbereichen vertieft behandelt:

Aussereuropäische Geschichte

z. B. Entstehung und Entwicklung der chinesischen Kultur, Wirtschaftswunder in Fernost, ethnische Konflikte in Afrika, Geschichte der Apartheid in Südafrika, Dikta­tur und Demokratie in Mittel- und Lateinamerika

Geistes-, Technik- und Kunstgeschichte

z. B. neue Technologien und ihre Auswir­kungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, Architektur und Technik, Architek­tur als gebaute Idee, Ideologien und Uto­pien, Religion und Wirtschaft, Begegnung und Umgang des Menschen mit der Natur, Begegnung mit dem Fremden

Geschichte des alltäglichen und privaten Lebens

z. B. Männer- und Frauenrollen, Formen des Wohnens, Essen und Trinken im Laufe der Zeit, Umgang mit Gesundheit, Krankheit und Tod, Jugend und Alter, Minderheiten und Aussenseiter und Aussenseiterinnen

Aktuelle Fragen

Diskussion und historische Aufarbeitung aktueller politischer und gesellschaftlicher Fragen

Die Gewichtung der vier Bereiche ist Sache des Kursleiters oder der Kursleiterin.